Richtig gute Distanzschützen gefordert PDF Drucken E-Mail

hintergrund: Die Korbjäger führen wieder einmal neue Regeln ein. Drei Punkte gibt es jetzt nur noch für Würfe ab 6,75 Meter Entfernung. Ex-Nationalspieler Horst Schmitz findet die Änderung gut. Trainer Reiner Chromik schließt sich ihm an. Vor allem Spielerinnen und Jugendliche leiden aber unter der Erschwernis.


BAD DÜRKHEIM. Überwiegend kritisch bis sogar ablehnend äußern sich Korbjäger und Verantwortliche des TV Dürkheim und der SG TV Dürkheim/BI Speyer zu den Regeländerungen im Basketball. Doch es gibt auch Zustimmung - vor allem von Anhängern des Leistungssports bei den Herren. Die RHEINPFALZ hörte sich in der Korbjäger-Szene in der Kurstadt um.


„Eigentlich ist das Ganze Geldmacherei, ich halte von den neuen Basketballregeln nicht viel. Für mich macht es keinen großen Unterschied, ob die Zone trapezförmig oder in Zukunft eckig ist. Sicherlich werden die Dreier im Frauen- und Jugendbereich abnehmen", erklärt Melanie Schütz (Bad Dürkheim), Abteilungsleiterin Basketball im TV Dürkheim. „Doch wir können uns nicht dagegenstellen. Das ist beschlossene Sache und damit auch Pflicht. Irgendwann, wenn die Übergangszeiten vorbei sind, wird kein Schiedrichter mehr die Spiele anpfeifen, wenn die neuen Linien nicht eingezeichnet sind", sagt die Basketballchefin. „Wir werden auf keinen Fall vorab in unserer TVD-Halle die neue Dreierlinie einzeichnen, sondern im Rahmen der Sanierung des Hallenbodens 2011 oder 2012 die neuen Vorschriften umsetzen. Was wir jetzt schon erledigen mussten, war die Einzeichnung des "No-Charge-Kreises" in der Zone, da in Bad Dürkheim Regionalliga-Spiele stattfinden", führt Melanie Schütz aus.

„Ich stehe den Regeländerungen sehr kritisch gegenüber. Das Ganze mag für die Profis richtig sein, doch für die meisten Vereine in Deutschland ist es nicht leicht, neue Linien in den Hallen einzuzeichnen. Viele kleine Clubs sind gar nicht flüssig genug und können die ganzen Vorgaben nur schwer realisieren", sagt Horst Eller (Bad Dürkheim), Ehrenvorsitzender des Basketballverbandes Pfalz und Leiter der Verbandsgeschäftsstelle. „Neben den Kosten gibt es aber noch ein ganz anderes Handicap: Das sind die Jugendlichen und die Damen. Dreier zu treffen, wird hier in Zukunft ganz schwierig sein. Wir kennen ja noch die Probleme von früher mit der Dreierlinie. Danach gab es neue leichtere Bälle für den Frauenspielbetrieb. Mal schauen, was jetzt noch so alles passiert." In der vereinseigenen TVD-Halle werden die neuen Basketball-Regeln umgesetzt. Doch Eller weist darauf hin, dass es in der Kurstadt mehrere Hallen gibt, die eigentlich umgerüstet werden müssten.

Reiner Chromik (Speyer), hauptamtlicher Trainer des Basketballinternates Speyer, bleibt bei dem Thema dagegen völlig emotionslos: „Wir bekommen durch die Verschiebung der Dreierlinie einige neue Optionen und andere Laufwege. Für die Dreierschützen wird die neue Entfernung erst recht eine Herausforderung sein. Sinn macht das Ganze schon, das Spielfeld wird breiter, die Innenspieler erhalten mehr Platz. Doch die Taktik wird sich grundlegend nicht ändern."

Ein Drei-Punkte-Spezialist seit vielen Jahren ist TVD-Routinier Harald Langenbein (Bad Dürkheim). Der 47-Jährige geht nicht nur bei Dürkheims Senioren auf Korbjagd, sondern spielt noch aktiv in der dritten Dürkheimer Mannschaft in der A-Klasse. Auch das Distanzass kann den Regeländerungen nicht viel abgewinnen: „Für mich steht der Kostenfaktor in keinem Verhältnis zum Nutzen. Es gibt Vereine und Gemeinden, die das ganze finanziell nicht stemmen können. Auch sind die neuen Regeln wenig sinnvoll für alle unteren Ligen und die Jugendklassen." Nicht nur bei den Damen und dem Nachwuchs sieht Langenbein in Zukunft die Dreierquote deutlich abnehmen. „Es wird auch einige Männer geben, die mit der neuen Entfernung Probleme haben werden. Die Flugkurve des Balles muss eine ganz andere sein, will man aus knapp sieben Metern den Korb treffen. Wir sollten nicht alles, was aus Amerika kommt, nachmachen. Ich finde den Aufwand zu groß, die alten Linien zu entfernen und neue einzuziehen."
„Dramatisches passiert doch nicht. Drei bis vier Grundregeln werden etwas geändert, aber das sind nur Nuancen. Jeder, der die ganze Zeit in Basketballhallen war, wird auch in Zukunft das Spiel verstehen", erklärt der in Bad Bergzabern lebende Ex-Nationalspieler Horst Schmitz, dessen Sohn Aaron Leistungsträger bei der U19 der Spielgemeinschaft in der Nachwuchs-Basketball-Bundesliga ist. „Die neuen Regeln sind gut, das Spiel hat sich verändert, es ist wesentlich schneller geworden. Der Basketball muss sich der internationalen Entwicklung anpassen." Den entscheidenden Vorteil sieht der von 1983 bis 1993 zehn Jahre lang in Leverkusen und Berlin spielende Bundesliga-Profi in den größeren Räumen zwischen Korb und Drei-Punkte-Linie. „Das Spiel wird schöner, weil der Raum größer ist." Dass die Dreier jetzt einen halben Meter weiter entfernt getroffen werden müssen, begrüßt Schmitz. „Die ganze Zeit konnte ja fast jeder sein Glück versuchen, jetzt sind wieder die richtig guten Dreierschützen gefordert bei den Weitwürfen. 6,75 Meter sind schon eine ordentliche Distanz." (uwe) Kommentar, Stichwort

 
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